Etikette Kokette

Historische Bademode von 1723 bis in die Jetztzeit ist Ausgangspunkt der Fotostrecke Etikette Kokett. In der Auseinandersetzung mit den Physiognomien von Textilien lässt Künstlerin Mina vor intimer Kulisse Frauenportraits im Fototableau aufeinandertreffen und nimmt lesbisches Begehren bedeutender und im öffentlichen Leben wirkender Frauen in den Blick. Der Akt des Fotografierens ist weniger vom Nachstellen denn vielmehr vom Nachfühlen der historischen Kostüme durch haptische Nähe der Künstlerin geleitet. In den schwarz/weiß Prints der analogen Kleinbilder überlagern sich die fotografierten Körper in ihrer historischen Unmittelbarkeit. Angelehnt an Didier Eribon verortet Mina die persönlichsten Erfahrungen und Beziehungen innerhalb einer kollektiven Historizität und Geografie (2016, S. 17) und interpretiert die Topografien in ihrer unterschiedlichen Zeitlichkeit entlang der eigenen individuellen Geschichte neu.
Die Fotostrecke richtet sich als Hommage an jene Frauen, die sich bestehenden Normen und moralisch anmutenden (Benimm-)regeln der letzten drei Jahrhunderte offenkundig widersetzten. Durch Requisiten aus der pinken Sammlung kokettiert die Künstlerin mit den Porträts von Schnellbootfahrerinnen, Schauspielerinnen, Soldatinnen und Suffragetten und begegnet so hartnäckigen gesellschaftlichen Etiketten. Vergoldete Dreiecke als bildbestimmende Form muten als Andeutung auf den goldenen Schnitt, der einerseits eurozentrisch geprägte Schönheitsideale vergegenwärtigt, andererseits eine vielgestaltige Sichtbarkeit und Verteilung unterschiedlichster LGBTIQ- Begehrenskonzepte in der heutigen Gesellschaft erhofft.
Text: Doris Posch

Analoge S/W Fotografie mit Blattgold. Entstehungsjahr 2018