"Schneeweißchen fühlt sich Rosarot"

„Schneeweisschen war nur stiller und sanfter als Rosenrot. Rosenrot sprang lieber in den Wiesen und Feldern umher, suchte Blumen und fing Sommervögel; Schneeweisschen aber sass daheim bei der Mutter, half ihr im Hauswesen oder las ihr vor, wenn nichts zu tun war.“

rosarosa beschäftigt sich in der Fotoarbeit „Schneeweisschen fühlt sich Rosarot“ mit dem Märchen der Brüder Grimm „Schneeweisschen und Rosenrot“. Der Fokus liegt dabei auf der Thematik der Geschwister-Beziehung, ihre Darstellung und Funktion in der Märchenerzählung, sowie im realen Leben. Besonders reizvoll ist das Schwestern-Doppelbild, in dem beide gleich schön und gleich gut sind, denn dieser Aspekt ist in den Zwei-Schwestern-Märchen äußerst selten. Zumeist findet sich eine Konstellation, in der eine Schwester gut und verletzlich ist, die andere bösartig und neidisch. Durch diese Sonderstellung ist Schneeweißchen und Rosenrot zu einem Urbild einer Schwesternbeziehung geworden. Dennoch werden Schneeweisschen und Rosenrot durch Charakterzeichnung und die Zuordnung der jeweiligen Farbe Rot oder Weiß stark polarisiert. Diese gezielt eingesetzte Farbgebung ist ein oft verwendetes Motiv in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Geschwister bekommen innerhalb eines Familiensystems von Geburt an bestimme Rollen zugeschrieben, anhand derer sie agieren bzw. von außen gesehen werden. So gibt es beispielweise häufig Etikettierungen wie ‚die Kluge‘ oder ‚die Fleißige‘.
Was passiert nun, wenn sich diese Zuordnungen auflösen? Gibt es dann mehr Aspekte als nur Weiß oder Rot, nicht vielmehr Weiß und Rot in einer Person?

C-Print, analog, 2014