Tableau Mignon

„Marion Barbara „Joe“ Carstairs“ C-Print, 2017
„Anne Lister“ C-Print, 2017

wald

Dieses Fotoprojekt ist eine Hommage an historisch bedeutende lesbische Frauen der letzten 3 Jahrhunderte. Die Situation von LGBTI Menschen in der westlichen Gesellschaft hat sich positiv entwickelt. Dennoch gelten Sie vielerorts als Randgruppe. Der britische Forscher Havelock Ellis hielt viele Lesben gar für "pseudohomosexuell". Sie hätten einfach keinen Mann "ergattert". Ohne einen Penis könnten Frauen ohnehin keine sexuelle Befriedigung erfahren. Entsprechend wurde weibliche Homosexualität nicht unter Strafe gestellt, wenngleich Lesben im Alltag wie auch von Behörden diskriminiert wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts radikalisierte sich indes die strafrechtliche Verfolgung von Homosexuellen. Im Nationalsozialismus wurde der berüchtigte "Homosexuellen"-Paragraf verschärft. In Österreich war jegliche homosexuelle Handlung bis 1971 mit Strafe bedroht. Eine gesellschaftliche Anerkennung steht noch in vielen Ländern aus und so manche Vorurteile halten sich hartnäckig, daher ist meine künstlerische Intention das Spiel mit Klischees und Stereotypen und deren Offenlegung durch meinen feministischen Blick. Die geplante Fotostrecke „erweckt“ den Mut der porträtierten Frauen, ihr Begehren in einer patriarchalen Gesellschaft öffentlich zu zeigen. In einem Fototableau treffen sich homosexuelle Frauen aus dem Lebenszeitraum von 1723 bis 2011, die ich in Selbstportraits inszeniere und in neuen Kulissen collagiere.


1 Mignon ist eine Figur aus Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre von 1795/1796, sie wurde zum Inbegriff des knabenhaften, erotisch anziehenden Mädchens. Der Name „Mignon“ ist französisch und bedeutet „Herzchen“, „Liebling“.